Der jahrhundertealte Bettag erfährt ein Novum: Zum ersten Mal beteiligt sich die Islamische Gemeinde Luzern am gemeinsamen Aufruf von Kirchen und Regierung zum eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag am 20. September.

Luzern - Erstmals wirken Muslime am Bettag mit. Das Bettagsplakat von Kirchen und Kanton Luzern ist dreisprachig: Deutsch, albanisch und tamilisch.
Stell Dir vor, es ist Bettag – und keiner geht hin: Der Feiertag, den viele für kirchlich halten und der eigentlich ein staatlicher ist, rückte in den vergangenen Jahren ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit. «Unser Ziel ist, dass der Bettag wieder mehr wahrgenommen wird», erklärt dazu Rosemarie Manser. Die reformierte Synodalrätin ist mit Vertretern von römisch-katholischer und christkatholischer Kirche sowie der Kantonsregierung Mitorganisatorin des Feiertags.
Grösstes Novum in diesem Jahr ist die erstmalige Beteiligung der Islamischen Gemeinde Luzerns (IGL). IGL-Sprecher Naser Callaku freut sich über die Mitwirkung der Muslime: «Sie ist ein Zeichen dafür, dass die abrahamitische Ökumene zwischen den drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam im Kanton Luzern lebt. Uns alle verbindet der Glaube an einen einzigen Gott. Deshalb gibt es für den Religionsfrieden keine Alternative zum Dialog.» Callaku wertet die Mitwirkung zudem als Schritt im Integrationsprozess, der zeige, dass das politische System der Schweiz es auch den Muslimen ermögliche, in jeder Hinsicht an der Gesellschaft zu partizipieren.
Besinnung auf Gemeinsamkeiten
Die Islamische Gemeinde Luzern steht nach Angaben Callakus allen Muslimen offen und vertritt sechs Moscheen und den Islamischen Frauenverein als Ansprechpartner für Öffentlichkeit und Behörden. Anders als die anderen beteiligten Kirchen ist sie aber keine Landeskirche. Ist die Beteiligung an diesem staatlichen Feiertag ein Schritt auf dem Weg zur öffentlich-rechtlichen Anerkennung? «Dass die Islamische Gemeinde – eine von mehreren islamischen Organisationen im Kanton – erstmals den gemeinsamen Bettagsaufruf mitunterzeichnet, spricht für das gute gegenseitige Einvernehmen der Religionsgemeinschaften im Kanton Luzern», sagt Regierungsrat Anton Schwingruber. Mehr, so der CVP-Politiker, lasse sich aus dieser Beteiligung zum heutigen Zeitpunkt nicht ableiten.
Mit der Mitwirkung am Bettagsaufruf bringt die Luzerner Regierung zum Ausdruck, «dass ihr der Grundgedanke des Bettags, nämlich die Besinnung auf die gemeinsamen Werte unserer Gesellschaft, wichtig ist», so Schwingruber weiter. Deshalb unterstütze diese auch die Bemühungen, den staatlichen Feiertag wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen.
Dreisprachige Plakate
Neben dem gemeinsamen Aufruf, wie es ihn seit Jahren gibt, soll dieses Jahr neu eine öffentliche Plakataktion für Aufmerksamkeit sorgen. Das Sujet zeigt einen offenen Geschenkkarton in Form eines Schweizer Kreuzes, unter dem das diesjährige Motto «Sag schön danke» in drei Sprachen erscheint: Deutsch, albanisch – als meistgesprochene Sprache unter Muslimen in Luzern – und tamilisch, als Beispiel einer Sprache mit orientalischem Schriftbild. Entwickelt wurde das neue Konzept, das jedes Jahr einen anderen Aspekt des Dank- Buss- und Bettages aufnehmen wird, von den Kirchen und der Regierung gemeinsam. Damit Aufruf und Plakat «keine kommunikative Einbahnstrasse» bleiben, so Rosemarie Manser, sind weitere Aktionen geplant. So können Luzernerinnen und Luzerner am Samstag vor dem Bettag ihre persönliche Dankesbotschaft auf Karten schreiben, die dann an Ballons gemeinsam in den Himmels steigen.
Standaktionen zum Bettag am Samstag, 19. September: Entlebuch, Parkplatz Hotel Drei Könige; Hochdorf, vor dem Bellevuecenter; Luzern, Hertensteinstrasse 30; Sempach, vor dem Städlimärt; Willisau, Rathausplatz. Jeweils 10 – 12 Uhr. Gemeinsamer Ballonstart um 12 Uhr.
Seit über 200 Jahren
Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist ein staatlich angeordneter überkonfessioneller Feiertag, der seit 1832 am dritten September-Sonntag von allen christlichen Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde begangen wird. Buss- und Bettage haben in der Schweiz seit dem Spätmittelalter Tradition. 1796 beschloss die Tagsatzung auf Antrag Berns erstmals eine allgemeine eidgenössische Feier. In Luzern ist der Bettag als hoher Feiertag in seiner Bedeutung dem Karfreitag oder dem Weihnachtstag gleichgestellt.